Spiritualität und spirituelle Methoden in der ayurvedischen Psychologie und im Yoga
Die ayurvedische Psychologie und Yoga arbeiten unter anderem mit
spirituellen Methoden, da wir wissen, dass der Mensch ein derart komplexes
Wesen ist, dass er mit allen herkömmlichen Mitteln der westlichen Psychologie,
wie rationalen Überlegungen und Erkenntnissen, emotionalen Aufarbeitungen,
Wertegesprächen zwar wichtige und positive Veränderungen erreichen kann,
oftmals aber grundsätzliche Muster und Überzeugungen erhalten bleiben. Mithilfe
der spirituellen Methoden, wie beispielsweise Meditation, Mantras, Mudras,
Chakraarbeit, Atemarbeit und dem Körperdialog, gelangt der Mensch zu einem
inneren Frieden, der Heilung von innen ermöglicht. Im inneren Frieden, beruhigt
sich der Geist. Unablässiges, oftmals selbstzerstörerisches Gedankenkreisen
weicht einer friedlichen Einstellung. Auf diese Weise werden destruktive und
kontraproduktive Strömungen und Glaubenssätze plötzlich überflüssig, da man
sich im inneren Frieden grundsätzlich als Person mit Stärken und Schwächen, mit
körperlich-psychischen Hindernissen, auf eine freundschaftliche Art annehmen
kann.
Sekten sind
Glaubensgemeinschaften. Da wird erwartet, dass die Gläubigen die Überlegungen
und die dahinter stehenden Werte übernehmen und nach diesen leben und handeln.
Und je nach dem gehört man dazu oder eben nicht.
Unsere
Studierenden, Yoginis, Yogis und Klientinnen/Klienten erfahren von uns Werte,
Überlegungen, Ideen des Yoga und einer modernen Psychologie. Es geht uns keinesfalls
darum, dass sie diese Werte und Gedanken ohne sie zu hinterfragen übernehmen
und sie zu ihrem Gefüge machen. Vielmehr sollen sie es sich anhören, sich damit
auseinandersetzen und ihren eigenen Weg finden. Möglicherweise, nach der
Auseinandersetzung, sogar ganz ablehnen. Eine Studierende hat einmal etwas
gesagt, was mich sehr gefreut hat: „Jetzt habe ich in vielen Kursen alles über
die ayurvedische Psychologie und die ganze Chakratherapie erfahren. Nun mache
ich daraus mein eigenes Ding.“
Jeder Mensch hat
ein sich ständig veränderndes, mehr oder weniger bewusstes Hintergrundmuster
aus Werten und Erfahrungen, aus denen er Situationen und Dinge beurteilt,
Entscheidungen fällt und so sein aktuelles Leben lebt. Alles was er alltäglich erfährt
oder sich überlegt, erweitert diesen Hintergrund. Seine Entscheidung ist es, ob
und wie er dieses erweiterte Gefüge umsetzt. Mit Yoga,
ayurvedisch-psychologischer Arbeit oder unseren Ausbildungen wollen wir nicht
ein altes Gefüge ersetzen, sondern erweitern.
Genauso arbeiten
wir mit unseren Klientinnen und Klienten: Transparenz ist für uns etwas vom
Wichtigsten. Unsere Klientinnen und Klienten erfahren auf eine einfühlsame,
wertschätzende Art und Weise, was wir als Beraterinnen, Berater, Therapeutinnen
und Therapeuten im Verlaufe der Zusammenarbeit denken, wie es uns im Kontext
mit ihnen geht. Wenn wir mit spirituellen Methoden arbeiten, informieren wir
sie vorher über die Methode und über die therapeutische Absicht, die dahinter
steht. Wir fragen auch immer, ob sie Lust haben, sich auf die spirituelle Übung
einzulassen. Hinterher sprechen wir mit ihnen über das Erlebte und über die
Wirkung, die sie verspürt haben. Selbstverständlich respektieren wir
Widerstände, denn nicht jeder Mensch kann und will sich zu einem bestimmten
Zeitpunkt spirituellen Erfahrungen hingeben.
Die Erfahrungen,
die wir mit den genannten spirituellen Methoden gemacht haben, ermuntern uns,
unbedingt auf diesem Weg weiter zu gehen. Unsere Klientinnen und Klienten
erreichen durch die spirituellen Methoden, in der Ergänzung zum therapeutischen
Gespräch oder zur Beratung, in der Regel schnellere und nachhaltigere Erfolge,
als bei Beratungen und Therapien ohne spirituellen Ansatz. Dies kann ich aus
meiner langjährigen Erfahrung beurteilen, denn ich habe mehr als 20 Jahre als
westlicher Psychologe und Psychotherapeut gearbeitet, bevor ich mit der
spirituellen Praxis angefangen habe.
Allerdings ist Spiritualität nicht in erster Linie eine Methodenfrage. Ganz zentral ist die spirituelle Haltung der Yogalehrerin und der Therapeutin - welcher Richtung auch immer - denn ohne diese, als Grundeinstellung, verkommen die spirituellen Methoden zum reinen Zirkus, zum Unterhaltungsprogramm ohne jegliche therapeutische Wirkung.
Allerdings ist Spiritualität nicht in erster Linie eine Methodenfrage. Ganz zentral ist die spirituelle Haltung der Yogalehrerin und der Therapeutin - welcher Richtung auch immer - denn ohne diese, als Grundeinstellung, verkommen die spirituellen Methoden zum reinen Zirkus, zum Unterhaltungsprogramm ohne jegliche therapeutische Wirkung.
Nicht nur in der
Therapie ist unsere Einstellung spirituell und setzen wir gezielt spirituelle
Methoden ein. Auch im Yoga sollen Yoginis und Yogis in spiritueller Atmosphäre
und mit spirituellen Ansätzen den inneren Frieden, die Weichheit und Sanftheit
erfahren, die es ihnen ermöglicht, Asanas auf eine wohlwollende, achtsame und
damit wohltuende Art und Weise auszuführen. Andererseits schaffen wir damit in
unseren Yogastunden eine Insel des Friedens in der so belebten, hektischen und
oftmals auch feindlichen Konkurrenzwelt. Nicht zuletzt darum kommen so viele
Menschen zum Yoga.
© 2017, Jean-Pierre Crittin, CH-8640 Rapperswil-Jona

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