Wie geht’s dir jetzt?
Wie geht’s dir jetzt? ist eine wichtige Frage, die ich einer Klientin/einem Klienten immer wieder stelle.
- «Wie geht’s dir jetzt?» lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was gerade ist.
- «Wie geht’s dir jetzt?» lenkt den Geist in den Moment.
- «Wie geht’s dir jetzt?» schärft die Selbstwahrnehmung der Klientin/des Klienten.
- «Wie geht’s dir jetzt?» stellt eine aktuelle Verbindung von mir zum Klienten/zur Klientin her. Unsere Kraftfelder begegnen sich unmittelbar, ohne dass ein Vergangenheits- oder ein Zukunftsthema dazwischenfunkt. Es entsteht eine ungestörte Wechselwirkung, die im Idealfall eine gemeinsame Schwingung entstehen und damit einen therapeutischen Einfluss wirken lässt.
Therapie* und Beratung* geschieht im «Hier und Jetzt» und hat den Vorteil der unmittelbaren physischen Begegnung, in der Kraftfelder ungestört aufeinander einwirken können. So kann eine vertiefte therapeutische Wirkung entstehen, in der die Ausstrahlung, die Handlung und die Worte der therapierenden Person eine verstärkte Wirkung haben.
Menschen in unserer Kultur haben stark die Tendenz, ihren Geist an andere Orte, in andere Zeiten abschweifen und sie dort verharren zu lassen. Dies kann ganz schön und wohltuend sein, wenn es sich um Vorfreude, um wohltuende Erinnerungen oder um Dankbarkeit handelt.
Zumeist schleichen sich jedoch – wenn jemand erlebnismässig in der Vergangenheit ist - Wehmut und Trauer ein. So entstehen dann Gedanken und Sätze wie: «Ach, war das damals schön…» (und damit automatisch wehmütig: «…wenn es nur wieder so wäre, wie damals») oder «früher war alles besser…», «früher hast du mich noch fotografiert», «damals konnte ich noch bergsteigen» …
Richtet jemand seinen Geist in die Zukunft, kann freudige Erwartung entstehen und man kann es kaum erwarten bis der Zeitpunkt kommt. Häufiger jedoch, erwachen Sorgen und Ängste: «Was wird sein, wenn…», «wenn ich mir vorstelle, wie das in 5 Jahren sein wird…», «wenn ich an die Prüfung in einer Woche denke…». Ängste sind immer auf die Zukunft gerichtet. Ich habe zwar in der Gegenwart Angst aber eigentlich immer vor dem, was gerade oder etwas ferner auf mich zukommt.
Diese Erkenntnis hat psychotherapeutische Konsequenz. Ohne allzu stark in fachliche Details zu gehen, können wir festhalten, dass Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen mit einer verstärkten Selbstwahrnehmung im «Hier und Jetzt» erhebliche Erleichterung erfahren können.
* Wenn ich von «Therapie» schreibe, meine ich nicht nur psychologische Interventionen, sondern jegliche Art von Therapie, z.B. medizinische Therapien, Körpertherapien, Musiktherapie…
* Wenn ich von «Beratung» schreibe, meine ich Beratungen aller Disziplinen, die im weitesten Sinn mit der Gesundheit eines Menschen zu tun haben.

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