Das Wichtigste in einer Therapie
(In diesem Text verwende ich der Einfachheit halber die weibliche Schreibform, meine aber selbstverständlich auch die männlichen Therapeuten und Klienten)
Egal welche Form der Therapie du anbietest, ob Psychotherapie, medizinische Therapie, Logopädie, Chakratherapie, Massage…, das wichtigste ist, dass du deine Klientin gern hast. Das sie oder er grundsätzliche Liebe spürt.
Natürlich sind fachlich korrekte Handgriffe, Handlungen, Vorgehensweisen wichtig. Keine Frage. Klar ist eine fundierte Ausbildung in einer bestimmten Therapieform als Hintergrund unerlässlich. Aber was nützen all diese Kenntnisse, Fertigkeiten, Techniken und langjährigen Erfahrungen, wenn die Zuneigung zur Klientin fehlt.
Wissenschaftliche Placebostudien beweisen immer wieder, dass Vertrauen von Klientinnen zur Therapeutin einen ganz wesentlichen Einfluss auf den Therapieerfolg haben.
Aus der Systemtheorie kennen wir die Erkenntnis, dass Vertrauen die Komplexität reduziert. Das heisst, dass es in einer *komplexen Situation vereinfachend ist, wenn Vertrauen da ist.
Beispiel: Eine Verhandlung wird einfacher, wenn alle Parteien das Vertrauen haben, dass die andere Partei eine möglichst gute Lösung für alle anstrebt. Sobald man dem anderen misstraut und vermutet, dass er eine für ihn vorteilhafte Lösung sucht, wird die Verhandlung unendlich erschwert.
Vertrauen gewinnen wir durch bedingungslose Liebe. Nur wenn die andere Person spürt, dass sie, so wie sie ist, angenommen wird, kann Vertrauen wachsen.
«Also muss ich denn alle meine PatientInnen, KlientInnen, KundInnen lieben?»
Meine klare Überzeugung: «Ja!»
«Und wenn ich jemanden einfach nicht mag?»
Meine klare Überzeugung: «Dann bin ich der falsche Therapeut!»
Was bedeutet es Klientinnen gern zu haben?
- Es zu schätzen, dass sie mich als Therapeuten ausgesucht haben und zu mir kommen. Die Haltung, dass die Klientin froh sein muss, dass sie zu mir kommen darf, ist schon sehr überheblich und schafft ganz sicher kein Vertrauen.
- Mir immer zu vergegenwärtigen, dass Klientinnen denselben göttlichen Kern, den Lebensfunken habe, wie ich.
- Den Klientinnen glauben was sie sagen und darauf vertrauen, dass sie Abmachungen einhalten.
- Mich in die Klientinnen einfühlen, als ob ich selbst in ihrer Situation wäre – ohne zu vergessen, dass ich nicht in ihrer Situation bin. Das ist der Unterschied zwischen Einfühlsamkeit und Mitleiden.
- Dass jemand Gründe für seine Einstellung, seine Handlungen hat. Diese können von meinen Ansichten und Handlungsweisen abweichen. Eine unterschiedliche Meinung ist noch lange keine Kriegserklärung. Es besteht jedoch Klärungsbedarf für die Hintergründe, damit ich die Klientin verstehen kann. Verstehen heisst noch lange nicht einig sein.
Jean-Pierre Crittin
In meinem Buch: Crittin, Jean-Pierre, «Ayurvedische Psychologie; Wege zum Selbst und das Energieprinzip im Ayurveda». (Windpferdverlag, Oberstdorf 2010) erkläre ich die verschiedenen Komplexitätsstufen und zeige auf, dass alles was Lebewesen betrifft «dynamisch hochkomplex» ist. Hier erkläre ich, warum gegenseitiges Vertrauen die Basis für die konstruktive Gestaltung von Beziehungen darstellen muss.

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